Das Corona Virus und die Medien

Das neuartige Corona Virus oder SARS-CoV-2 hält die Welt in Atem – nicht zuletzt wegen der extremen Präsenz in sämtlichen Medien. Auch die Ausbrüche der Schweinegrippe oder der Vogelgrippe in den vergangenen Jahren wurde viel Berichtet, aber dennoch hat die Berichterstattung nicht so hohe Wellen geschlagen, wie bei dem neuen Erreger in diesem Jahr. Warum ist das so?

China und das große Schweigen

Das Corona Virus trat wahrscheinlich zuerst in China auf. Das Regime in der Volksrepublik ist dafür bekannt, Probleme wie gehäufte Krankheitsfälle bis hin zu Epidemien eher zu verschweigen als der Bevölkerung oder anderen Staaten gegenüber öffentlich zu kommunizieren. Dies führte auf der einen Seite dazu, dass der Ausbruch des Virus erst relativ spät bekannt wurde und ist auf der anderen Seite auch ein Grund dafür, dass noch immer Details über Krankheitsverlauf, Mortalität und Infektionsrate unbekannt oder sehr vage sind. Die hohe Dunkelziffer an Erkrankten in China dürfte beispielsweise die Mortalitätsrate höher erscheinen lassen, als diese wirklich ist. Ein fiktives Rechenbeispiel hierzu:

Gehen wir von einer Summe von 5.000 Infektionen aus, von denen 100 gestorben sind, so liegt die Mortalität bei 2%. Sind es aber in Wirklichkeit 20.000 Infizierte (Dunkelziffer), so läge die Mortalität nur bei 0,5%.

Die Todesfälle werden gemeldet und daher so gut wie immer erfasst. Die Infektionen hingegen werden aus Unwissenheit oder Schamgefühl gerade in China oft nicht gemeldet bis die Symptome stark werden.

Durch die fehlenden Daten lassen sich auch schwer allgemeingültige Annahmen über den Krankheitsverlauf treffen, da möglicherweise bestimmte Krankheitsverläufe gar nicht erfasst werden. Dies war insbesondere am Anfang des Ausbruches ein großer Unsicherheitsfaktor. Inzwischen ist bekannt, dass die Krankheit in vielen Fällen entweder gar nicht ausbricht oder einen sehr milden Verlauf nimmt. Die häufig genannten Todesfälle aus China betreffen vor allem Menschen mit Vorerkrankungen oder im hohem Alter.

Falschinformationen in Medien

Durch das Ausbleiben stichhaltiger Informationen aber auch durch das große öffentliche Interesse provoziert, entwickelte sich ein Nährboden für Falschinformationen und Halbwissen. Beiträge zum “Corona Virus” Klicks, Auflage, Einschaltquote und darüber Einfluss und Geld. Das übt einerseits Druck auf Nachrichtenagenturen und Redaktionen aus, möglichst Artikel oder Beiträge über das Thema zu veröffentlichen – an einigen Stellen ging dadurch die journalistische Sorgfalt unter und sicher geglaubte Informationen erwiesen später doch als falsch. Andererseits feuert dieses Klima jene an, die Gerüchte in sozialen Medien, auf Blogs oder auf YouTube streuen um ihre eigenen Klick- und Followerzahlen in die Höhe zu treiben oder ihre politischen und weltanschaulichen Ansichten zu verbreiten.

Eine frühe, aber konservativere Berichterstattung in den klassischen Medien hätte sicher vielen Apotheken und Discountern den Ansturm auf Seife, Desinfektionsmittel und Atemmasken erspart. Aber auch die schiere Anzahl der Meldungen über das Virus genügen, um Menschen zu verunsichern. Werden wir häufiger mit einer potenziellen Gefährdung konfrontiert, so erscheint sie in unseren Augen auch relevanter. Im Fall des neuen Coronavirus kommt noch hinzu, dass es den meisten Menschen nicht bekannt ist – wir neigen eher dazu vor dem Unbekannten Angst zu haben.

Veränderung des Kommunikationsverhaltens

Hinzu kommt noch, dass sich das Kommunikations- und Medienrezeptionsverhalten verändert hat. Während noch vor 20 Jahren beispielsweise die Tageszeitung und die Abendnachrichten im Fernsehen die Hauptinformationsquelle waren, kommen viele Menschen inzwischen auch untertägig mit Nachrichten in Kontakt. Soziale Medien, Eilmeldungen und Push-Notifications auf das Smartphone ermöglichen es, unmittelbar von jeder neuen Entwicklung zu erfahren.

In dieser permanenten Informationsflut fallen vor allem Themen auf, die immer wieder erwähnt werden. Diese Themen werden dann oft subjektiv als gravierender empfunden, als sie objektiv betrachtet sind.

Dazu kommen außerdem Kommentare in sozialen Medien, die gerade bei Themen, die mit etwas Unbekanntem oder Ängsten zusammenhängen, sehr polarisierend sind. Außerdem werden hier oft Behauptungen aufgestellt, die jeder Faktengrundlage entbehren. Das wiederum stachelt weitere Nutzer an, ihre Meinung kundzutun – was die Reichweite und Präsenz des jeweiligen Posts weiter verstärkt und somit wieder zu einer höheren subjektiv empfundenen Bedrohung für den Einzelnen führt, wie zuvor beschrieben. Kurzum: soziale Medien wirken verstärkend auf emotionale Nachrichten. Dies gilt insbesondere für negative Emotionen wie Hass, Wut oder Angst, da dies die meisten Reaktionen hervorruft.

Handlungsempfehlung

Wer unnötiger Panikmache entgehen und dennoch informiert sein will, kann sich an den folgenden Punkten als Handlungsempfehlung orientieren:

  • Kommentare in sozialen Medien ignorieren – wie zuvor beschrieben stehen diese nicht immer auf dem Fundament der Fakten.
  • Nachrichten nach Information statt nach Quantität beurteilen – welche neuen Informationen enthält ein Artikel? Sind hier wirklich neue Erkenntnisse vorhanden oder sollen nur mehr Klicks generiert werden?
  • Nachricht und Kommentar unterscheiden – gerade bei heiß diskutierten Themen werden häufig auch Kommentare oder Interviews veröffentlicht. Diese spiegeln im Gegensatz zu einem (seriösen) Nachrichtenbeitrag die Meinung des Verfassers oder des Interviewten wieder und bieten daher keine objektive Information.
  • Im Zweifelsfall BASIS-Checkliste zu Rate ziehen – insbesondere bei inoffiziellen Websites, Blogeinträgen oder zweifelhaften Quellen.
  • Zur Informationsbeschaffung offizielle Quellen nutzen – unten diesem Beitrag sind einige offizielle Quellen verlinkt – hier bekommt ihr seriöse Informationen zu dem Thema.

Weitere Informationen über SARS-CoV-2 und die damit verbundene Erkrankung Covid-19 findest du auf den Seiten des Robert Koch Instituts.

Hinweis: dieser Artikel befasst sich mit einem medizinischen Thema, stellt jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzt diese auch nicht. Im Zweifelsfall wende dich immer an einen Arzt.

Simon Crins

Simon Crins ist Medienexperte mit den Fachbereichen Medienproduktion und Medientechnik. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton bei ProSiebenSat.1 in München absolvierte Crins sein Bachelorstudium im Fach Medien und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule. Währenddessen war er für die ProSiebenSat.1 Gruppe unter anderem als Produktionsplaner und Projektleiter tätig. Seit Ende 2018 arbeitet Simon Crins für Umlaut im Raum Braunschweig/Wolfsburg als Test- und Entwicklungsingenieur für Infotainmentsysteme. Weitere Informationen über den Autor finden Sie unter www.simoncrins.de

5 Gedanken zu „Das Corona Virus und die Medien

  • 5. März 2020 um 19:24
    Permalink

    Warum sollte den Medien geglaubt werden, wenn diese von Mundschutz (FFP1-FFP3) abraten, Patienten mit Grippesymptomen, aber ohne Kontakten nach Norditalien und Zentralchina) ohne diese zu testen nach hause schicken und voM Wäschen der Hände mit Desinfektionsmitteln abraten. Der Witz an der Sache: In asiatischen Ländern (China, Südkorea und Japan) wird das empfohlen und auch gemacht! Darüberhinaus würden dort diese Empfehlungen bereits bei Sars, Mers etc. abgegeben.
    Und jetzt soll es bei uns falsch sein?
    Welchen Sinn macht bitte das Tragen einer Schutzmaske bei Erkrankten, wenn diese nach Empfehlung doch eigentlich in diesem Fall die eigenen Wände nicht mehr verlassen sollten.
    Und warum wird immer und überall mit der Influenza verglichen, während das eigentliche Problem doch in der raschen Verbreitung liegt. Was glaubst du, wie viele Erkrankte (inkl. der Gesunden) es in 6 Wochen geben wird. Und da nur auf Deutschland hochgerechnet. Ich schätze so ca. 10.000! Und in einem halben Jahr. Um ehrlich zu sein, alleine die offi x eilen Statistiken der letzten 1.5 Monate zeigen leider einen sehr beruhigen Trend. Jetzt wäre es eigentlich dringend an der Zeit, endlich brauchbare Schutzmaßnahmen für Jedermann zu kommunizieren…
    Wieviele werden sterben? Ich weiß es nicht! Aber eines ist sicher: In 6 Monaten werden die wirtschaftlichen Schäden enorme Dimensionen annehmen, an denen wir alle die nächsten Jahre zu knappen haben werden.
    Ist keine Panik, sondern rein das Lesen und Analysieren der zugänglichen Statistiken.
    Ist es relevant? Ja, denn als Unternehmen muss ich jetzt reagieren, um etwaige wirtschaftlichen Schäden abzuwenden und nicht erst, wenn die Produktionsketten zum erliegen kommen.

    Antwort
    • 6. März 2020 um 08:15
      Permalink

      Hallo Da_Wolf, danke für deinen Kommentar.

      “Den Medien” als solches grundsätzlich gar nicht zu glauben ist sicherlich auch keine praktikable Lösung. Zumal ich hierfür keinen Anlass sehe. Wie im Artikel beschrieben sollte man nur nicht zuviel auf die Quantität der Berichte geben und sich ggf. gesicherte Informationen aus offiziellen Quellen besorgen.
      Ich muss hier aber auch darauf hinweisen, dass zwischen verschiedenen Vertretern der Medien als Ganzes natürlich auch große Unterschiede existieren. Einige sind eher auf Klicks/Auflage/Quote aus, andere versuchen seriös zu informieren – ein einheitliches Bild ist da schwer zu formulieren.

      Medien schicken ja auch keine Patienten ohne Test nach Hause, das tun wenn dann die Ärzte – wie da der aktuelle Stand ist, weiß ich nicht. Und ich möchte hier nicht zusätzlich zur Desinformation beitragen, indem ich jetzt Annahmen in die Welt setze. Informationen zur Diagnostik findest du aber beispielsweise auch auf den Seiten des RKI: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

      Die Frage ist doch, wie stark der Ausbruch hier in Deutschland wirklich wird. Aktuell (06.03.2020, 08:10) lese ich von 545 bestätigten Infizierten (Quelle: https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/). Das Verständnis des Virus verbessert sich auch mit jedem Tag der vergeht – insofern würde ich nicht zuviel auf diese Katastrophenszenarien geben.

      Wie sollten denn Unternehmen deiner Meinung nach reagieren? Und welche Informationen sollten Medien transportieren um das von dir geschilderte Szenario zu vermeiden?

      Antwort
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