Fall der Gatekeeper – warum Medienkompetenz immer wichtiger wird

Durch die Erfindung des Buchdrucks war es plötzlich möglich, Schriftwerke in wesentlich höherer Stückzahl zu produzieren als zuvor. Diese Möglichkeit wurde zunächst für Bücher, bald aber auch für Flugblätter genutzt. Hieraus entwickelten sich gegen 1600 erste Zeitungen – ein neues Medium war geboren. Für einige Jahrhunderte entschieden Verleger und Redakteure, worüber in diesen Zeitungen berichtet wurde. Später reihten sich auch Radio- und Fernsehsender in diese Tradition ein.

Doch während diese Massenmedien linear, also vom Sender zum Empfänger gerichtet, sind, entwickelte sich gut 400 Jahre nach der ersten Zeitung ein Massenmedium, das komplexere Formen der Kommunikation ermöglichte: das Internet.

Das Internet demokratisiert die Medienwelt

Neben der Möglichkeit frei zwischen linearer und non-linearer Verbreitung eines Mediums (und auch Mischformen daraus) zu wählen, fallen für eine Veröffentlichung über das Internet auch viele Zugangsbeschränkungen weg: ein Blogger beispielsweise muss keinen eigenen Verlag besitzen oder einen Verleger von seinem Produkt überzeugen – er kann seine Werke relativ kostengünstig ins Internet stellen. Gleiches gilt für Posts auf Facebook, Videos auf YouTube oder Fotos auf Instagram.

Diese Entwicklung hat zwei Seiten: auf der einen Seite ist es eine Demokratisierung der Medienwelt – nahezu Jeder mit Zugang zum Internet kann nun in relativ großem Stil publizieren. Das bringt eine größere Meinungsvielfalt mit sich, was dem gesellschaftlichen Diskurs zu Gute kommt. Auf der anderen Site allerdings bedeutet das auch, dass Jeder der dies will auch in der Lage ist Gerüchte, Falschmeldungen oder Hass zu verbreiten.

Die neuen Gatekeeper

In der klassischen Medienwelt gibt es Gatekeeper – Personen (Chefredakteure, Verleger, Intendanten), die alle Meldungen absegnen, bevor diese veröffentlicht werden. Es gibt also eine interne Qualitätskontrolle, bevor Beiträge veröffentlicht werden. Auf Facebook, YouTube oder Blogs fehlt diese Kontrollinstanz oftmals – weshalb es Desinformation und Verschwörungstheorien wesentlich einfacher haben.

Nun kann man aber auch nicht von Facebook erwarten, dass jeder Post dort gegengelesen und auf seinen Wahrheitsgehalt geprüft wird – schließlich wäre das auch ein enormer Eingriff in die Meinungsfreiheit. Folglich hilft nur eins: die Förderung von Medienkompetenz bei jedem Einzelnen. Die Menschen müssen ihre eigenen Gatekeeper werden, die Glaubwürdigkeit und Relevanz von Nachrichten einschätzen und ggf. Überprüfen können.


Anmerkung: In diesem Artikel wird das Internet zum Zwecke der einfacheren Lesbarkeit als ein Massenmedium bezeichnet. Im strengeren Sinne ist das Internet allerdings ein Metamedium, das sich je nach genutztem Dienst in lineare und non-lineare Massen- und Direktmedien unterteilen lässt.

Simon Crins

Simon Crins ist Medienexperte mit den Fachbereichen Medienproduktion und Medientechnik. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton bei ProSiebenSat.1 in München absolvierte Crins sein Bachelorstudium im Fach Medien und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule. Währenddessen war er für die ProSiebenSat.1 Gruppe unter anderem als Produktionsplaner und Projektleiter tätig. Seit Ende 2018 arbeitet Simon Crins für Umlaut im Raum Braunschweig/Wolfsburg als Test- und Entwicklungsingenieur für Infotainmentsysteme. Weitere Informationen über den Autor finden Sie unter www.simoncrins.de

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