WhatsApp und Twitter – Sprachlicher Verfall?

Kommunikation mit Hilfe des Internets ist aus der modernen Gesellschaft kaum noch wegzudenken. Doch was sind die Nebenwirkungen dieser Entwicklung? Sorgen soziale Medien wie WhatsApp und Twitter für einen sprachlichen Verfall?

Da die Direktnachrichtendienste ihren Anfang in der SMS hatten, bei der jeder Satz von 160 Zeichen Geld kostet, wurde hier versucht mittels Abkürzungen und elliptischem Satzbau möglichst viele Zeichen einzusparen. Aus „bis gleich“ wurde so z.B. kurzerhand „bg“, aus „hab dich lieb“ die Abkürzung „hdl“ und so weiter.

Inzwischen ist die Zahl von Akronymen in Direktnachrichten sehr groß geworden. Bei den meisten Nachrichtendiensten existieren zwar keine Zeichenbeschränkungen mehr und es wird auch nicht nach Zeichenanzahl abgerechnet (z.B. WhatsApp oder Threema), aber die Kurzschreibweise hat sich etabliert. Twitter ist hier ein Sonderfall – es handelt sich hierbei zwar nicht um einen Direktnachrichtendienst, sondern eher um einen Veröffentlichungsdienst, aber durch die Beschränkung auf 140 Zeichen pro Nachricht, wird auch hier auf elliptischen Satzbau und Abkürzungen zurückgegriffen wo es nur geht.

Stile können unterschieden werden

Im Umgang mit den beschriebenen Kommunikationsmitteln wird also eine von der Norm abweichende Schreibweise genutzt. Laut einer Studie der Coventry University hat stark abgekürztes Schreiben z.B. beim Verfassen von SMS allerdings keine negativen Auswirkungen auf den Sprachlernprozess. Die Schweizer Sprachwissenschaftlerin Christa Dürscheid kam zu einem ähnlichen Schluss, laut ihr unterscheiden Jugendliche zwischen in der Freizeit und in der Schule genutztem Sprach- und Schreibstil. Jugendliche (und auch Erwachsene) verwenden also verschiedene Stile für Schule oder Beruf auf der einen und soziale Medien wie WhatsApp oder Twitter auf der anderen Seite.

Es findet zwar eine Verlagerung der Kommunikation auf neue Medien statt, bei der Worte durch Smilies und Abkürzungen ersetzt und elliptische Sätze gebaut verwendet werden, doch eine Gefahr für die Sprachkompetenz von Jugendlichen und Erwachsenen ist dies nicht. Denn sofern sie über ihre Sozialisation, also aus Elternhaus, Bekannten- und Freundeskreis und der Schule, die Standardsprache als Grundlage erlernen, etabliert sich die durch die neuen Medien geprägte Sprache allenfalls als Slang.

Simon Crins

Simon Crins ist Medienexperte mit den Fachbereichen Medienproduktion und Medientechnik. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton bei ProSiebenSat.1 in München absolvierte Crins sein Bachelorstudium im Fach Medien und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule. Währenddessen war er für die ProSiebenSat.1 Gruppe unter anderem als Produktionsplaner und Projektleiter tätig. Seit Ende 2018 arbeitet Simon Crins für Umlaut im Raum Braunschweig/Wolfsburg als Test- und Entwicklungsingenieur für Infotainmentsysteme. Weitere Informationen über den Autor finden Sie unter www.simoncrins.de

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